MySpirulina Farm mit frisch gewachsener dunkelgrüner Spirulina

Was ist Spirulina? Der komplette Guide

Spirulina ist eine essbare Mikroalge, genauer ein Cyanobakterium, das seit Jahrhunderten als Lebensmittel genutzt wird, in Wasser wächst und in der Trockenmasse zu mehr als der Hälfte aus Protein besteht. Die meisten kennen sie als grünes Pulver oder Tablette aus der Drogerie. Dieser Guide erklärt, was Spirulina wirklich ist, woher sie kommt, wie sie wächst, wie sie schmeckt, welche Formen es gibt und worauf du beim Kauf oder beim eigenen Anbau achten solltest.

Spirulina in 30 Sekunden

  • Was: Ein fadenförmiges Cyanobakterium mit dem wissenschaftlichen Namen Arthrospira platensis. Umgangssprachlich Blaualge oder Mikroalge.
  • Woher: Ursprünglich aus alkalischen Salzseen in Afrika und Mittelamerika. Heute weltweit in Becken und Reaktoren kultiviert.
  • Was drin ist: Rund 57 Prozent Protein in der Trockenmasse, Eisen, Magnesium, B Vitamine und das blaue Pigment Phycocyanin. Kein verwertbares Vitamin B12.
  • Wie sie schmeckt: Getrocknet oft nach Teich oder Fisch. Frisch geerntet mild und cremig.
  • Formen: Pulver, Tabletten, blaues Extrakt oder frisch aus der eigenen Kultur.
  • Rechtlich: In der EU als Lebensmittel zugelassen, kein Novel Food, keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

Spirulina ist keine Alge, auch wenn alle das sagen

Biologisch gehört Spirulina nicht zu den Algen, sondern zu den Cyanobakterien. Das sind Bakterien, die Photosynthese betreiben, also wie Pflanzen aus Licht, Wasser und CO2 Energie und Sauerstoff erzeugen. Cyanobakterien gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde. Ihre Vorfahren haben vor mehr als zwei Milliarden Jahren den Sauerstoff in unsere Atmosphäre gebracht.

Unter dem Mikroskop sieht Spirulina aus wie eine winzige grüne Spirale, daher der Name. Ein einzelner Faden ist etwa einen halben Millimeter lang. In einer gesunden Kultur schwimmen Milliarden davon und färben das Wasser tief dunkelgrün.

Der korrekte wissenschaftliche Name ist Arthrospira platensis (oder Arthrospira maxima). Die Gattung Spirulina ist eigentlich eine andere, aber der Handelsname hat sich so fest eingebürgert, dass ihn niemand mehr ändert. Auch wir nicht.

Ein praktischer Unterschied zu echten Algen und Pflanzen: Spirulina hat keine Zellulosewand. Ihre Zellen sind von einer dünnen, weichen Hülle umgeben. Deshalb ist sie leicht verdaulich und muss nicht aufgeschlossen werden, anders als zum Beispiel Chlorella.

Woher Spirulina kommt

Spirulina wächst von Natur aus in warmen, stark alkalischen Salzseen. Zwei Regionen sind historisch belegt: der Tschadsee in Zentralafrika und der Texcocosee im heutigen Mexiko.

Die Azteken ernteten die Alge vom Texcocosee, trockneten sie zu Fladen und nannten sie Tecuitlatl. Spanische Chronisten beschrieben das im 16. Jahrhundert. Am Tschadsee ernten die Kanembu bis heute Spirulina aus flachen Uferbecken, trocknen sie in der Sonne und verkaufen die Fladen als Dihé auf lokalen Märkten.

In Europa wurde Spirulina erst in den 1960er Jahren bekannt, als der belgische Botaniker Jean Léonard das Dihé untersuchte und zur gleichen Zeit französische Forscher auf massive Spirulinablüten in mexikanischen Sodawerken stießen. Seit den 1970er Jahren wird sie industriell kultiviert, zuerst in Mexiko, dann in den USA, Thailand, Indien und China. Die europäische Raumfahrtagentur ESA erforscht Arthrospira im Projekt MELiSSA als mögliche Nahrungs und Sauerstoffquelle für Langzeitmissionen.

Mehr dazu in unserem Artikel Die Geschichte der Spirulina: von den Azteken bis zur Raumfahrt.

Wie Spirulina wächst

Spirulina braucht drei Dinge: Licht, Wärme und mineralreiches, alkalisches Wasser. Ihr Wohlfühlbereich liegt bei einem pH Wert zwischen 9 und 11 und Temperaturen um 30 bis 37 Grad. In diesem Milieu können kaum andere Organismen leben, was die Kultur von Natur aus vor Verunreinigung schützt.

Unter guten Bedingungen verdoppelt sich die Biomasse innerhalb weniger Tage. Kein Acker, keine Saison, kein Dünger aus dem Sack: Sie nimmt die Nährstoffe direkt aus dem Wasser auf. Das ist der Grund, warum Spirulina pro Fläche und pro Liter Wasser deutlich mehr Protein liefert als klassische Nutzpflanzen oder Tierhaltung.

Kommerziell wächst Spirulina meist in offenen Becken, sogenannten Raceway Ponds, die mit Schaufelrädern in Bewegung gehalten werden. Die größten Produzenten sitzen in China, Indien und den USA. In Frankreich hat sich seit den 2000er Jahren eine Szene aus über hundert kleinen Produzenten entwickelt, die frische Spirulina direkt auf Märkten verkaufen. In Deutschland gibt es bisher nur wenige, meist regionale Produzenten.

Und sie wächst auch auf der Fensterbank. In einem Glas mit Nährsalz, Licht und etwas Bewegung im Wasser lässt sich Spirulina zuhause kultivieren und wöchentlich ernten. Wie das genau geht, steht weiter unten.

Was in Spirulina steckt

Die Trockenmasse von Spirulina besteht zu rund 57 Prozent aus Protein mit allen neun essentiellen Aminosäuren. Dazu kommen pro 100 Gramm Trockenmasse etwa 28 Milligramm Eisen, 195 Milligramm Magnesium, B Vitamine (B1, B2, B3), Beta Carotin und die Fettsäure Gamma Linolensäure. Außerdem drei Pigmente: grünes Chlorophyll, gelbe Carotinoide und das blaue Phycocyanin, das nur in Cyanobakterien und Rotalgen vorkommt.

Zwei Dinge werden dabei oft falsch verstanden. Erstens: Alle Nährwerttabellen beziehen sich auf getrocknetes Pulver. Frische Spirulina besteht zu etwa 80 Prozent aus Wasser, also enthält eine frische Portion pro Gramm rund ein Fünftel davon. Zweitens: Spirulina ist keine Vitamin B12 Quelle. Sie enthält überwiegend Pseudovitamin B12, das der menschliche Körper nicht verwerten kann.

Ausführlich mit Tabellen: Spirulina Nährstoffe: Was wirklich drinsteckt und Spirulina und Vitamin B12.

Wofür ist Spirulina gut?

Die ehrliche Antwort: Spirulina ist in erster Linie ein Lebensmittel, kein Heilmittel. Sie liefert pflanzliches Protein, Eisen und Pigmente in einer Dichte, die kaum ein anderes Lebensmittel erreicht, und sie tut das mit sehr wenig Fläche und Wasser. Das ist der Grund, warum die Alge in der Ernährungsforschung als Nahrungsmittel der Zukunft gilt und nicht nur als Nahrungsergänzung von heute.

Zu Spirulina und Gesundheit gibt es viele Studien, aber auch viele übertriebene Behauptungen. In der EU sind für Spirulina keine gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen. Was die Forschung tatsächlich untersucht hat und wie belastbar die Ergebnisse sind, haben wir in einem eigenen Artikel nüchtern zusammengefasst: Spirulina Wirkung: Was Studien wirklich zeigen.

In welchen Formen es Spirulina gibt

Pulver. Die häufigste Form. Die Biomasse wird geerntet, gepresst, getrocknet (meist sprühgetrocknet bei hohen Temperaturen) und gemahlen. Günstig, lange haltbar, aber geschmacklich die größte Hürde. Worauf du achten solltest: Gutes Spirulina Pulver erkennen.

Tabletten und Presslinge. Gepresstes Pulver. Umgeht den Geschmack, aber eine Tablette wiegt meist nur 0,4 bis 0,5 Gramm. Für die in Studien üblichen Mengen von 2 bis 8 Gramm bräuchte man also 5 bis 20 Stück pro Tag.

Blaue Spirulina. Kein eigenes Lebewesen, sondern ein Extrakt: Das blaue Pigment Phycocyanin wird aus der Alge herausgelöst. Es schmeckt neutral und färbt Smoothies und Desserts leuchtend blau, enthält aber weder das Protein noch die meisten anderen Nährstoffe der ganzen Alge. Mehr dazu: Blaue Spirulina: was hinter dem blauen Pulver steckt.

Frische Spirulina. Die Alge wird mit einem feinen Filter aus der Kultur geerntet und direkt gegessen, als cremige, dunkelgrüne Paste. Kein Trocknen, kein Transport, keine Lagerung. In Frankreich auf Wochenmärkten verbreitet, in Deutschland fast nur aus eigener Kultur zu bekommen. Vergleich: Frische Spirulina vs. Pulver und Frische Spirulina kaufen oder selbst anbauen.

Wie schmeckt Spirulina?

Das hängt fast vollständig von der Form ab. Pulver schmeckt für die meisten Menschen intensiv nach Teich, Gras oder Fisch. Der Geruch entsteht hauptsächlich durch Oxidation und Trocknung und ist der häufigste Grund, warum Leute Spirulina wieder aufgeben.

Frisch geerntet ist Spirulina ein anderes Lebensmittel: mild, leicht nussig, cremig, fast neutral. Sie lässt sich in Joghurt, Smoothie, Dressing oder Pesto rühren, ohne dass sie den Geschmack dominiert. Ausführlich: Wie schmeckt Spirulina? Frisch vs. Pulver. Rezepte: Herzhafte Spirulina Rezepte. Und falls du sie erhitzen willst: Spirulina kochen.

Spirulina oder Chlorella?

Beide werden oft in einem Atemzug genannt, sind aber grundverschieden. Chlorella ist eine echte Grünalge mit Zellkern und fester Zellulosewand, die aufgebrochen werden muss, damit der Körper an die Nährstoffe kommt. Spirulina ist ein Cyanobakterium ohne Zellwand und direkt verdaulich. Chlorella enthält mehr Chlorophyll und etwas verwertbares B12, Spirulina mehr Protein und Phycocyanin. Chlorella lässt sich zuhause kaum kultivieren, Spirulina schon. Der ganze Vergleich: Spirulina vs Chlorella: Der faire Vergleich.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Spirulina nimmt Stoffe aus ihrer Umgebung auf, auch unerwünschte. Bei getrockneten Produkten entscheidet deshalb die Herkunft über die Qualität, und die steht selten auf dem Etikett. Worauf es ankommt:

  • Herkunft und Anbausystem: Geschlossene Systeme oder kontrollierte Becken statt offener Teiche in Industriegebieten. Produktion in der EU oder mit transparenter Herkunft.
  • Laborprüfung: Analysen auf Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen) und Mikrocystine, idealerweise pro Charge und einsehbar.
  • Trocknungsverfahren: Schonende Trocknung bei niedriger Temperatur erhält mehr Phycocyanin als Sprühtrocknung.
  • Reinheit: 100 Prozent Spirulina ohne Füll oder Presshilfsstoffe.
  • Keine Wunderversprechen: Wer mit Entgiftung, Abnehmen oder Heilung wirbt, handelt rechtswidrig und meist auch sonst nicht seriös.

Hintergrund: Spirulina Schwermetalle: Risiken und Qualität.

Spirulina selbst anbauen

Weil Spirulina in Wasser wächst, sich schnell vermehrt und ein Milieu braucht, in dem kaum etwas anderes überlebt, eignet sie sich wie kein zweites Lebensmittel für die eigene Küche. Du brauchst eine lebende Starterkultur, ein Glas oder eine Farm mit Licht und Luftzufuhr, Nährsalz und einen feinen Filter für die Ernte. Nach etwa zwei Wochen ist die Kultur dicht genug für die erste Ernte, danach erntest du wöchentlich ein paar Löffel und die Kultur wächst nach.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Du siehst, wie dein Essen wächst, du weißt, was drin ist, und du isst sie frisch, ohne Trocknung und Lieferkette. Der Nachteil: Eine lebende Kultur braucht Aufmerksamkeit. Licht, Temperatur und pH Wert müssen stimmen, sonst wird die Kultur gelb oder kippt.

Alles Schritt für Schritt:

Wenn du nicht basteln willst: Unsere MySpirulina Farm für Zuhause kommt mit laborgeprüfter Kultur aus Kiel, Licht, Belüftung, Nährsalz und Filter, und wir begleiten dich durch die ersten Erntezyklen.

Warum Spirulina als Lebensmittel der Zukunft gilt

Wir werden mehr Menschen, die Anbaufläche wird weniger und das Klima unberechenbarer. Spirulina wächst genau dort, wo das alles zusammenkommt: in Wasser statt auf Ackerland, in Tagen statt in Saisons, in Regionen mit viel Sonne und wenig fruchtbarem Boden. Die FAO und die ESA beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit ihr, Forschungsprojekte testen Spirulina gegen Mangelernährung, und in Frankreich ist frische Spirulina vom Bauernmarkt längst Alltag.

Mehr dazu: Was essen wir 2050? Warum Algen ein Teil der Antwort sind, Algen als Nahrungsmittel der Zukunft: was Zahlen belegen und Warum die Nahrung der Zukunft zuhause wächst.

Häufige Fragen zu Spirulina

Was ist Spirulina einfach erklärt?

Spirulina ist ein essbares Cyanobakterium, umgangssprachlich Mikroalge, das in warmem, alkalischem Wasser wächst, Photosynthese betreibt und in der Trockenmasse zu rund 57 Prozent aus Protein besteht. Man isst sie als Pulver, Tablette oder frisch geerntet.

Ist Spirulina eine Alge oder ein Bakterium?

Biologisch ein Bakterium, genauer ein Cyanobakterium. Weil sie wie eine Alge Photosynthese betreibt und im Wasser lebt, wird sie im Alltag als Blaualge oder Mikroalge bezeichnet.

Wofür ist Spirulina gut?

Als Lebensmittel liefert Spirulina pflanzliches Protein, Eisen, Magnesium und Pigmente in hoher Dichte bei sehr geringem Flächen und Wasserbedarf. Gesundheitsbezogene Angaben sind für Spirulina in der EU nicht zugelassen; was Studien dazu untersucht haben, fassen wir in einem eigenen Artikel zusammen.

Wie schmeckt Spirulina?

Getrocknetes Pulver schmeckt meist intensiv nach Teich oder Fisch. Frisch geerntet ist Spirulina mild, cremig und fast neutral.

Enthält Spirulina Vitamin B12?

Nur in Form von Pseudovitamin B12, das der Mensch nicht verwerten kann. Spirulina ist keine verlässliche B12 Quelle.

Kann man Spirulina selbst züchten?

Ja. Mit einer lebenden Starterkultur, Nährsalz, Licht und etwas Bewegung im Wasser wächst Spirulina auf der Fensterbank und lässt sich wöchentlich mit einem feinen Filter ernten.

Wie viel Spirulina isst man pro Tag?

In Studien wurden meist 1 bis 8 Gramm Trockenmasse pro Tag verwendet. Das entspricht etwa 5 bis 40 Gramm frischer Spirulina, da frische Spirulina zu rund 80 Prozent aus Wasser besteht.

Ist Spirulina in der EU zugelassen?

Ja. Spirulina gilt in der EU als traditionelles Lebensmittel und nicht als Novel Food. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben gibt es dafür allerdings nicht.

Zurück zum Blog
Starter Kit kaufen