Algen als Nahrungsmittel der Zukunft: was Zahlen belegen

Algen als Nahrungsmittel der Zukunft: was Zahlen belegen

Algen als Nahrungsmittel der Zukunft: Was die Zahlen hergeben

Algen als Nahrungsmittel gelten als Zukunftsthema, weil viele von ihnen ohne Acker wachsen und nach Schätzungen je Hektar mehr Eiweiß bilden können als Soja. Rechnet man je 100 Gramm Trockenmasse, also mit dem, was ohne Wasser übrig bleibt, sehen ihre Eiweißwerte beeindruckend aus. Bei den kleinen Mengen, die man tatsächlich isst, bleibt davon allerdings wenig übrig, und bei vielen Meeresalgen setzt der Jodgehalt eine klare Grenze.

Welche Algen kann man essen?

Essbare Algen gibt es in zwei ganz verschiedenen Gruppen: große Meeresalgen wie Nori, Wakame, Kombu und Dulse und winzige Mikroalgen wie Chlorella und Spirulina. Von den weltweit rund 10.000 Algenarten werden etwa 145 als Lebensmittel genutzt, vor allem in Japan, Korea und China. Das schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Stellungnahme von 2026. In einer Befragung des BfR nannten die Teilnehmenden Nori am häufigsten, wenn sie getrocknete Algen als Blätter, Flocken oder Pulver verwendeten. Aus Nori bestehen die dunklen Blätter, in die Sushi gerollt wird.

Mikroalgen sind so klein, dass du eine einzelne nur unter dem Mikroskop erkennst, und meist bestehen sie aus einer einzigen Zelle. Gegessen werden sie weltweit vor allem als Pulver, etwa aus Chlorella oder Spirulina, so ein Überblick der Welternährungsorganisation FAO von 2021.

Streng genommen ist Spirulina gar keine Alge, sondern ein Cyanobakterium, also ein Bakterium, das mit Licht wächst wie eine Pflanze. Umgangssprachlich heißt sie trotzdem Alge, und auch wir bei MySpirulina nennen sie so. Fachleute ordnen die gezüchteten Arten seit 2019 einer eigenen Gattung zu, Limnospira (Nowicka-Krawczyk und andere, 2019). Ein Nori-Blatt und ein Löffel Spirulina haben also biologisch wenig gemeinsam, auch wenn beide im Regal unter „Algen“ stehen.

Warum gelten Algen als Nahrung der Zukunft?

Algen wachsen dort, wo kein Acker ist, und mit der Weltbevölkerung wächst der Bedarf an Eiweiß. Dass sie je Hektar mehr Eiweiß liefern können als Soja, steht vor allem auf dem Papier.

Mehr Menschen brauchen mehr Eiweiß

2024 lebten 8,2 Milliarden Menschen auf der Erde. Den Höchststand erwarten die Vereinten Nationen Mitte der 2080er Jahre, bei rund 10,3 Milliarden, so ihre Ausgabe 2024 der World Population Prospects. Deshalb zählt das Bundeszentrum für Ernährung Algen in einer Meldung von 2025 zu den weniger vertrauten Lebensmitteln, die auch bei uns wichtiger werden. Dort stehen sie neben Insekten, Lupinen und bekannten Hülsenfrüchten wie Sojabohnen, Linsen und Erbsen. Die Ernährung der Zukunft wird also kaum an einem einzigen Lebensmittel hängen.

Wachstum ohne Acker

Meeresalgen brauchen weder Ackerland noch Süßwasser, Futter oder Dünger, schreibt die FAO in ihrem Überblick. Große Braunalgen wie Kelp werden zum Beispiel an langen Leinen im Meer gezogen. Beim Waschen und Verarbeiten kann allerdings viel Süßwasser nötig sein.

Mikroalgen wachsen dagegen in offenen Becken, in Hallen oder in geschlossenen Röhrensystemen, sogenannten Photobioreaktoren. Sie brauchen laut Verbraucherzentrale, 2026 deutlich weniger Fläche als Landpflanzen. Weniger Fläche heißt aber nicht automatisch weniger Umweltbelastung. Eine Ökobilanz, gerechnet für die Zucht von Spirulina und Chlorella im Pilotmaßstab, fand für Eiweißpulver aus diesen Algen höhere Umweltwirkungen als für herkömmliche Eiweißkonzentrate (Smetana und andere, 2017).

Die Zucht läuft längst im großen Maßstab. Laut dem Fischerei- und Aquakulturbericht der FAO von 2026 wurden 2024 weltweit 40,2 Millionen Tonnen Algen erzeugt, gewogen frisch aus dem Wasser, 96,8 Prozent davon aus Zucht. Rund 99 Prozent der gezüchteten Algen stammen aus Asien. In dieser Zahl stecken alle Algen, auch solche, die nicht auf dem Teller landen.

Bei uns wächst Spirulina in einem Glas am Fenster, in Wasser mit Licht und ein paar Mineralien. Sie braucht keinen Boden, keine Pflanzenschutzmittel und keine Saison, wie wir auf unserer Seite zur Vision beschreiben. Das Glas füllst du mit Leitungswasser. Das oft gehörte Argument „kein Süßwasser“ passt deshalb zum Anbau von Meeresalgen im Meer, nicht zu Spirulina aus dem Glas.

Mehr Eiweiß je Hektar, zumindest auf dem Papier

Eine Übersichtsarbeit von Bleakley und Hayes, 2017 nennt für Mikroalgen 4 bis 15 Tonnen Eiweiß je Hektar und Jahr, für Meeresalgen 2,5 bis 7,5 Tonnen und für Soja 0,6 bis 1,2 Tonnen. Die Spannen stammen aus einem Bericht über Futtermittel von 2013, nicht aus dem Anbau für Lebensmittel. Sie erklären trotzdem, warum in Debatten über Algen so oft von der Fläche die Rede ist.

Nährwerte von Algen vergleichen, ohne sich zu verrechnen

Schau immer zuerst auf die Bezugsgröße, denn je 100 Gramm Trockenmasse, je Portion oder je Hektar ergeben ganz verschiedene Bilder. Die Tabelle zeigt das am Eiweiß:

Lebensmittel Bezugsgröße Eiweiß Quelle
Spirulina, getrocknet 100 g 57,5 g USDA FoodData Central, 2019
Sojabohnen, getrocknet, roh 100 g 36,5 g USDA FoodData Central, 2019
Linsen, getrocknet, roh 100 g 24,6 g USDA FoodData Central, 2019
Spirulina, getrocknet 3 g, häufige Tagesempfehlung rund 1,7 g eigene Rechnung aus der ersten Zeile, Menge laut Verbraucherzentrale 2025

Je 100 Gramm liegt getrocknete Spirulina klar vor Sojabohnen. Nur isst niemand 100 Gramm Spirulina-Pulver am Tag. Die Verbraucherzentrale, 2025 nennt Empfehlungen zwischen 1,5 und 6 Gramm pro Tag, meist 3 Gramm. Mit 3 Gramm landest du bei rund 1,7 Gramm Eiweiß. Auch die Verbraucherzentrale hält das Eiweiß aus Spirulina bei den üblichen kleinen Tagesmengen für wenig bedeutsam. Meeresalgen sollte man wegen ihres meist hohen Jodgehalts ohnehin nur in kleinen Mengen essen, schreibt sie in ihrem Marktcheck.

Bei frischer Spirulina, wie man sie selbst ernten kann, kommt noch etwas dazu, denn sie enthält viel Wasser (Vasquez Guevara und andere, 2025). Werte je 100 Gramm Trockenmasse lassen sich deshalb nicht einfach auf frische Spirulina übertragen.

Unser Tipp: Wenn du irgendwo einen beeindruckenden Eiweißwert liest, frag dich drei Dinge. Je 100 Gramm wovon? Getrocknet oder frisch? Und wie viel davon isst man wirklich?

Wo Algen als Nahrungsmittel an Grenzen stoßen

Die wichtigste Grenze ist Jod. Dazu kommen mögliche Schadstoffe und ein Vitamin, das Spirulina nicht verlässlich liefert.

Viele Meeresalgen enthalten sehr viel Jod. Das BfR nennt für die Algen, die als Kombu verkauft werden, je nach Art 1.000 bis 10.000 Milligramm je Kilogramm Trockenmasse, für Nori 10 bis 400 Milligramm. Die EU berät über einen Höchstgehalt von 1 Gramm Jod je Kilogramm Trockenmasse, also 1.000 Milligramm, so das BfR in seiner Stellungnahme von 2026. Nach Einschätzung des BfR reicht dieser Wert nicht, damit alle, die regelmäßig Algen essen, unbedenkliche Mengen Jod aufnehmen. Das Institut empfiehlt deshalb, den Jodgehalt zusammen mit einer Verzehrempfehlung auf die Packung zu schreiben.

Für deinen Einkauf heißt das: Such auf der Packung nach Algenart, Jodgehalt und Verzehrmenge. Fehlt die Jodangabe bei einem Lebensmittel mit viel Meeresalgen, rät die Verbraucherzentrale, darauf zu verzichten. Auch Schwermetalle können in Algen stecken. Was dazu bekannt ist, haben wir in unserem Beitrag zu Schwermetallen und Qualität bei Spirulina zusammengetragen.

Wenn du vegan isst, ist noch ein Punkt wichtig. Spirulina enthält überwiegend Pseudovitamin B12, eine Form, die beim Menschen nicht wirkt (Watanabe und andere, 2014). Als verlässliche B12-Quelle taugt sie deshalb nicht, mehr dazu in unserem Beitrag zu Spirulina und Vitamin B12.

Dieser Beitrag ordnet ein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du regelmäßig Algen essen möchtest und dabei gesundheitliche Fragen hast, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Algen aus dem Laden oder frisch von der Fensterbank

Zum Probieren reichen Nori, Wakame oder getrocknetes Pulver aus dem Handel völlig. Ein eigenes Glas lohnt sich erst, wenn du Spirulina regelmäßig frisch essen und selbst sehen willst, woher sie kommt.

Den Anstoß gab unser Mitgründer Ben, der eine Zeit in Korea gelebt hatte, wo frische Algen ganz selbstverständlich auf den Tisch kommen. Zurück in Deutschland fand er sie nur getrocknet. Daraus wurde unsere Idee: ein Glas bei dir am Fenster statt einer großen Anlage irgendwo auf der Welt.

So ein Glas ernährt nicht die Welt, es bringt dir eine Zutat frisch in die Küche. Wann du frische Spirulina besser kaufst, statt sie selbst anzubauen, haben wir in unserem Beitrag Frische Spirulina kaufen oder selbst anbauen verglichen.

Fazit

Für Algen als Lebensmittel sprechen Fläche und Wasser: Viele Arten wachsen ohne Acker, Meeresalgen im Meer auch ohne Süßwasser. Auf dem Teller zählt dagegen die Portion, und bei 3 Gramm getrockneter Spirulina bleiben rund 1,7 Gramm Eiweiß. Wir sehen Algen deshalb als Zutat unter vielen, nicht als Wundermittel. Wenn du Spirulina regelmäßig frisch essen möchtest, baust du sie mit unserem Starter-Kit auf der Fensterbank selbst an.

Häufige Fragen

Sind Algen gesund?

Das hängt von der Alge ab, denn die Arten unterscheiden sich stark. Achte bei Meeresalgen auf Jodgehalt und Verzehrempfehlung der Packung, und schau bei jedem Nährwert, ob er für 100 Gramm oder für eine Portion gilt. Bei gesundheitlichen Fragen hilft dir deine Ärztin oder dein Arzt weiter.

Wie schmecken Algen?

Den Geschmack vieler Meeresalgen beschreiben Bleakley und Hayes als umami, also herzhaft wie eine kräftige Brühe. Frische Spirulina schmeckst du pur eher heraus, in einem Beerensmoothie oder Salatdressing ist sie kaum herauszuschmecken.

Binden Algen CO2?

Ja, beim Wachsen nehmen Algen CO2 auf. Bei Ernte, Transport und Verarbeitung entsteht aber wieder CO2, sagt die Verbraucherzentrale. Geerntete Meeresalgen speichern den Kohlenstoff laut FAO zudem oft nicht dauerhaft.

Wie fange ich mit Algen in der Küche an?

Am einfachsten mit Nori, die du vom Sushi kennst, etwa zerbröselt über Reis oder Suppe. Bei getrockneten Meeresalgen schau zuerst auf Jodgehalt und Verzehrempfehlung.

Quellen

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