Algen züchten: Welche Algen du zuhause anbauen kannst

Algen züchten: Welche Algen du zuhause anbauen kannst

Algen züchten: Welche Algen du zuhause selbst anbauen kannst

Zum Essen kannst du zuhause vor allem Spirulina züchten, eine Mikroalge, die in warmem, alkalischem Wasser im Glas wächst und sich mit einem Tuch oder Filter ernten lässt. Chlorella wächst zwar auch im Glas, ihre Zellen sind aber so klein, dass du sie ohne Zentrifuge kaum aus dem Wasser bekommst. Wakame und Nori wachsen im Meer, Wakame am besten in kühlem Wasser, und ein Heimgerät dafür, das du kaufen kannst, kennen wir nicht. Wer essen will, was er züchtet, fängt mit einer Starterkultur einer bekannten Art an, also mit Wasser, in dem genau diese Alge schon lebt.

Kann man Algen selber züchten?

Ja, aber nur wenige Algen lassen sich zuhause so anbauen, dass du sie am Ende auch essen kannst. Wir bei MySpirulina aus Kiel haben eine kleine Spirulina-Farm für die Fensterbank entwickelt und kennen uns mit genau dieser einen Alge gut aus.

„Algen“ ist ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Lebewesen. Mikroalgen sind so klein, dass du sie nur als grüne Färbung im Wasser siehst. Makroalgen, also Meeresalgen oder Seetang, wachsen dagegen zu Blättern und Bändern heran, wie du sie von Nori kennst. Spirulina gilt im Alltag als Alge, ist biologisch aber ein Cyanobakterium, also ein Bakterium, das wie eine Pflanze Licht nutzt. Chlorella ist dagegen eine echte Alge (Verbraucherzentrale, 2026).

Stellst du ein Glas Wasser auf die Fensterbank, wird es nach einiger Zeit oft von allein grün. Auch im Aquarium bildet sich schnell ein grüner Belag. Das ist Wachstum, aber keine Zucht: Du weißt nicht, welche Art da wächst. Solche Algen gehören für uns nicht auf den Teller.

Diese Algen eignen sich für zuhause

Für die Küche eignet sich Spirulina am besten, weil sie sich mit einfachen Mitteln anbauen und auch ernten lässt. Bei den anderen Kandidaten hakt es an der Ernte, am Wasser oder an der Ausrüstung. Die Tabelle vergleicht fünf Algen.

Alge Was ist das? Wasser Lebende Kultur für zuhause Ernte zuhause Für die Küche zuhause
Spirulina Mikroalge, biologisch ein Cyanobakterium Wasser mit Natron und Salz, alkalisch als Starterkultur erhältlich mit Tuch oder Filter gut machbar
Chlorella Mikroalge, einzellig Süß-, Brack- oder Meerwasser im Aquaristikhandel als Futter ohne Zentrifuge kaum, Zellen nur 2 bis 12 Mikrometer lang kaum zu ernten
Nannochloropsis Mikroalge aus dem Meer Meerwasser im Meerwasserhandel als Futter zuhause nicht vorgesehen als Tierfutter gedacht
Wakame Meeresalge (Tang) Meerwasser, am besten 5 bis 15 °C uns nicht bekannt wächst an Leinen im Meer kaum machbar
Nori Meeresalge (Tang) Meerwasser uns nicht bekannt wächst an Netzen im Meer kaum machbar

Zu Chlorella und zu Meeresalgen haben wir keine eigenen Erfahrungen. Was folgt, stammt aus Fachquellen.

Kann man Chlorella zuhause züchten?

Vermehren lässt sich Chlorella, das Ernten ist das Problem. Ihre Zellen sind meist nur 2 bis 12 Mikrometer lang, im Anbau werden sie deshalb mehrfach zentrifugiert, also in einer schnell drehenden Trommel vom Wasser getrennt (Phang, PROSEA). Spirulina bildet dagegen Fäden, die über 70 Mikrometer groß werden und sich einfach abfiltern lassen (Gultom und Hu, 2013). Im Aquaristikhandel gibt es lebende Chlorella als Futter, etwa für Daphnien. Wie sich beide Algen als Lebensmittel unterscheiden, zeigt unser Vergleich von Spirulina und Chlorella.

Kann man Wakame oder Nori selber züchten?

Für die Küche zuhause ist das kaum machbar. Wakame wächst an felsigen Küsten, am besten bei 5 bis 15 °C Wassertemperatur, und hört über 25 °C auf zu wachsen (McHugh, FAO 2003). Nori hat einen ungewöhnlichen Lebenszyklus: Eine zweite, fadenförmige Generation wächst in Muschelschalen, erst deren Sporen setzen sich auf Netze, die dann ins Meer kommen, und bilden dort die Blätter. Die TH Köln hat im Projekt NoriFarm bis September 2022 ein Tanksystem für Meeresalgen zuhause entwickelt. Erste Wachstumsversuche mit Meersalat im Labor zeigten innerhalb eines Monats einen geringen Zuwachs (TH Köln, Kurzbericht NoriFarm). Ein Gerät, das du kaufen kannst, ist uns nicht bekannt.

Kann ich Algen im Aquarium züchten?

Ja, aber das sind Futterkulturen. Nannochloropsis ist eine winzige Alge aus dem Meer, also eine Mikroalge. Fischzuchten kultivieren sie in großen Mengen als Futter für Rädertierchen, winzige Wassertiere, die dort als Lebendfutter dienen (FAO-Handbuch zu Lebendfutter, 1996). Im Meerwasserhandel bekommst du sie für denselben Zweck. Zum Essen sind diese Kulturen nicht gedacht.

So züchtest du Spirulina zuhause

Du brauchst eine lebende Starterkultur, ein durchsichtiges Gefäß, ein Nährmedium, Licht, Wärme und Bewegung im Wasser. Pulver und Presslinge sind getrocknete Lebensmittel, keine Starterkultur. Woher du eine lebende Kultur bekommst, steht in unserem Beitrag zur Starterkultur für Spirulina.

Als Gefäß taugt jeder dichte Behälter, der nicht rostet und nichts ins Wasser abgibt, schreibt Jean-Paul Jourdan in seiner Anleitung für kleine Anlagen (Jourdan, 2001). In stehendem Wasser wächst Spirulina nicht, das Wasser muss also in Bewegung bleiben (Habib und andere, FAO 2008). Außerdem mag Spirulina es warm: Laut dem FAO-Bericht wächst sie im Labor bei 35 bis 37 °C am besten, unter etwa 15 °C am Tag wächst sie nicht mehr.

Wie das im Kleinen aussehen kann, zeigt der FAO-Bericht am Anbau in Tontöpfen in Indien:

  1. Misch Wasser mit dem Nährmedium.
  2. Gib etwas lebende Starterkultur dazu.
  3. Stell das Gefäß ins Licht und rühr drei- bis viermal am Tag um. Statt zu rühren, kannst du laut Jourdan auch eine Aquarienpumpe das Wasser bewegen lassen.
  4. Ist das anfangs blasse Wasser dunkelgrün geworden, gießt du die Kultur zum Ernten durch ein Tuch.

Welches Nährmedium braucht Spirulina?

Spirulina braucht alkalisches, salzhaltiges Wasser. Als Standard nennt der FAO-Bericht das Zarrouk-Medium, eine Nährlösung aus mehreren Salzen. Für zuhause gibt es fertig gemischtes Nährsalz, das du nur noch in Wasser löst.

Wie vermehren sich Algen wie Spirulina?

Um die Vermehrung musst du dich nicht kümmern. Die Fäden zerfallen von selbst in kurze Stücke aus zwei bis vier Zellen, die sich vom Faden lösen und durch Zellteilung zu neuen Fäden heranwachsen (Ciferri, 1983). Wie schnell das geht, hängt vor allem von Wärme, Licht und Nährstoffen ab.

Kannst du einen Photobioreaktor selbst bauen?

Ja, im Kleinen hast du ihn schon, sobald ein Glas mit Kultur, Licht und Luftzufuhr läuft. Photobioreaktor heißt nur: ein geschlossenes Gefäß, in dem Algen mit Licht wachsen. Bei uns hat es genau so angefangen. Unsere ersten Versuche standen in einer WG-Küche, mit Einmachglas, Aquarienpumpe und einer Schreibtischlampe als Sonne. Es geht also mit einfachen Mitteln. In unserem Beitrag über die Kosten für den Eigenbau von 2026 rechnen wir für Glasbehälter, Luftpumpe, Lampe, Zeitschaltuhr und Thermometer mit 60 bis 120 Euro Material, dazu kommen Kultur, Nährsalz und die Zeit für Fehlversuche.

Worauf du achten musst, wenn du Algen zum Essen züchtest

Nimm eine bekannte Kultur, halte Gefäß und Werkzeug sauber und ernte nur, was gesund aussieht und riecht. Eine gesunde Spirulina-Kultur ist dunkelgrün bis blaugrün. Riecht sie muffig, faulig oder chemisch, wird sie bläulich-violett oder gräulich oder fühlt sie sich schleimig an, erntest du nicht. Dann entsorgst du die Kultur und setzt mit frischer Kultur neu an. Braune Flecken am Glas sind meist Kieselalgen; erst wenn der Belag überhandnimmt, lohnt ein Neuansatz.

Jourdan nennt in seiner Anleitung zwei weitere Warnzeichen. Wird die Kultur gelblich, kann ihr Stickstoff fehlen, oder sie bekommt zu viel Licht oder zu viel Ammoniak. Ist nur wenig Spirulina im Wasser, kann Chlorella einwandern.

Getrocknet kaufen, selbst bauen oder fertiges Set: was passt zu dir?

Das hängt davon ab, ob du Algen nur probieren, selbst etwas bauen oder regelmäßig frisch essen willst. Nicht jeder braucht dafür eine Farm.

Willst du erst einmal wissen, wie dir Algen schmecken, reichen getrocknete Algen aus dem Laden. Welche Algen überhaupt auf den Teller kommen, erklären wir in unserem Beitrag über Algen als Nahrungsmittel.

Bastelst du gern oder suchst ein Experiment mit Kindern, kannst du Spirulina mit eigenem Glas, eigener Pumpe und einer gekauften Kultur anbauen. Rechne mit Fehlversuchen, gerade am Anfang.

Willst du Spirulina regelmäßig frisch essen, ohne Licht und Bewegung im Wasser selbst abzustimmen, ist ein fertiges Set der einfachere Weg. Unser Starter-Kit enthält die Farm, also ein Grow-Glas mit Growlight im Deckel, dazu lebende Starterkultur, Nährsalz und einen Filter zum Ernten.

Fazit

Wer zuhause Algen zum Essen züchten will, landet in der Praxis bei Spirulina. Chlorella wächst zwar, lässt sich aber kaum ernten, und Meeresalgen wie Wakame oder Nori brauchen Bedingungen, die eine Küche nicht bietet. Mit einer lebenden Starterkultur, Nährsalz, Licht, Wärme und Bewegung im Wasser klappt es dagegen auch mit einfachen Mitteln. Wenn du nicht selbst bauen willst, findest du Farm, Starterkultur, Nährsalz und Filter in einem Set in unserem Starter-Kit.

Häufige Fragen

Welche Algen kann man essen?

Rund 100 Algenarten werden als Lebensmittel genutzt, so die Verbraucherzentrale, darunter Meeresalgen wie Nori und Kombu sowie Spirulina und Chlorella. Auch Wakame ist eine verbreitete Speisealge. Zuhause selbst anbauen lässt sich davon vor allem Spirulina.

Kann ich Algen essen, die im Aquarium oder im Glas von allein wachsen?

Nein, davon raten wir ab. Du weißt nicht, welche Art da wächst. Gezielt kultivierte Aquarienalgen wie Nannochloropsis sind als Futter für Kleintiere gedacht.

Woher bekomme ich eine Starterkultur?

Lebende Spirulina-Kultur bekommst du bei spezialisierten Anbietern, über Stammsammlungen von Universitäten oder privat über Kleinanzeigen. Pulver oder Presslinge sind dafür nicht gedacht.

Quellen

Neu bei Spirulina? Herkunft, Biologie, Nährstoffe, Geschmack und Anbau haben wir in einem Guide gebündelt: Was ist Spirulina? Der komplette Guide.

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