MySpirulina Farm mit frischer dunkelgrüner Spirulina vor dunklem Hintergrund

Die Geschichte der Spirulina: von den Azteken bis zur Raumfahrt

Spirulina wird seit Jahrhunderten gegessen. Die Azteken ernteten sie aus Lagunen, am Tschadsee gehört sie bis heute zum Alltag, und die europäische Raumfahrt erforscht sie als Teil eines Lebenserhaltungssystems. Die Alge der Zukunft hat also eine lange Vergangenheit.

Die Azteken und der blaugrüne Kuchen

Spanische Chronisten beschrieben, wie Fischer mit feinen Netzen eine blau gefärbte Masse aus den Lagunen holten und daraus einen blaugrünen Kuchen machten. Sie nannten ihn Tecuitlatl. So fasst es die Welternährungsorganisation FAO in ihrem Bericht zu Spirulina von 2008 zusammen.

Mit der Trockenlegung der Seen im Tal von Mexiko verschwand dieses Wissen für lange Zeit aus dem Blick Europas.

Dihé: Spirulina am Tschadsee

In Zentralafrika ist die Tradition nie abgerissen. Das Volk der Kanembu erntet Spirulina aus flachen Tümpeln rund um den Tschadsee und trocknet sie zu dünnen Fladen, die Dihé heißen. Laut FAO wird Dihé zerkrümelt, mit Tomaten und Paprika zu einer Sauce verrührt und über Hirse, Bohnen, Fisch oder Fleisch gegeben. Die Kanembu essen es in 70 Prozent ihrer Mahlzeiten.

Geerntet wird traditionell von Frauen. Ein Projekt der FAO schulte ab 2007 Erntemethoden, Hygiene und Vermarktung. Nach Angaben der Vereinten Nationen verkauften 500 Frauen zehn Tonnen Dihé und erzielten damit umgerechnet rund 75.000 Euro Gewinn.

Die Wiederentdeckung in den 1960er Jahren

1964 und 1965 reiste der Botaniker Jean Léonard mit einer belgischen Expedition durch die Sahara. Auf den Märkten von Fort Lamy, dem heutigen N'Djamena, fielen ihm grünliche, essbare Fladen auf. Er ging der Sache nach und fand die Alge im Tschadsee.

Zur selben Zeit wurde Spirulina in Mexiko zum ersten Mal systematisch untersucht. Diese Forschung war laut FAO die Grundlage für die erste große Produktionsanlage der Welt. Von da an wurde Spirulina industriell angebaut, getrocknet und als Pulver oder Tablette verkauft.

Frische Spirulina Paste wird mit einem Löffel aus dem Glas entnommen

Spirulina in der Raumfahrt

Die europäische Raumfahrtagentur ESA arbeitet im Projekt MELiSSA an einem geschlossenen Kreislauf für lange Missionen. Der Name steht für Micro Ecological Life Support System Alternative. Das Ziel ist, aus Abfällen wieder Sauerstoff, Wasser und Nahrung zu gewinnen.

Spirulina spielt darin eine zentrale Rolle. Sie nimmt das ausgeatmete Kohlendioxid auf und gibt Sauerstoff ab. Die ESA beschreibt dazu Versuche in einer Pilotanlage in Barcelona und Experimente für die Internationale Raumstation. Nachzulesen ist das auf der Seite der ESA zur Lebenserhaltung.

Was auf dem Weg verloren ging

Die Azteken und die Kanembu aßen Spirulina dort, wo sie wuchs. Die Industrie hat daraus ein Pulver gemacht, das um die halbe Welt reist. Dabei geht einiges verloren: der milde Geschmack, die Frische und der Blick auf die Herkunft. Den Vergleich findest du in Frische Spirulina vs. Pulver.

Mit der MySpirulina Farm kehrt die Alge an ihren ursprünglichen Platz zurück: in die Nähe der Menschen, die sie essen. Frisch und lebendig, geerntet in deiner Küche.

Warum das auch für die Zukunft zählt, liest du in Was essen wir 2050? und in Warum die Nahrung der Zukunft zuhause wächst.

Häufige Fragen

Seit wann essen Menschen Spirulina?

Seit Jahrhunderten. Spanische Chronisten beschrieben die Ernte bei den Azteken, und am Tschadsee wird Spirulina als Dihé bis heute gegessen.

Wer hat Spirulina wiederentdeckt?

Der belgische Botaniker Jean Léonard fand 1964 und 1965 getrocknete Spirulina Fladen auf Märkten im Tschad und machte die Alge in Europa bekannt.

Was ist Dihé?

Dihé ist getrocknete Spirulina vom Tschadsee. Das Volk der Kanembu verarbeitet sie zu einer Sauce und isst sie laut FAO in 70 Prozent der Mahlzeiten.

Was hat Spirulina mit Raumfahrt zu tun?

Die ESA erforscht Spirulina im Projekt MELiSSA. Die Alge soll in einem geschlossenen Kreislauf Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff liefern.

Quellen

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